In der Kinderfaschingshölle

Indianerin

Ich hasse Fasching.
Und ich weiß, dass es mir damit nicht alleine so geht.
Menschen hassen aus ganz unterschiedlichen Gründen die “fünfte Jahreszeit”.
Manch einer mag generell kein fröhlicher Mensch sein und erträgt es nur schwer, dass andere fast schon auf Knopfdruck gute Laune haben können. Manch einer verabscheut die Sauferei, den Dreck auf den Straßen, die plumpen Anmachen von Karnevalsjecken. Viele finden es einfach nur furchtbar affig, sich als erwachsener Mensch in ein Schlumpfkostüm zu zwängen.

Ich hasse Fasching aus anderen Gründen. Ich möchte sie gern erklären.

Ich habe 3 Kinder.
Kinder lieben Fasching, sich zu verkleiden, in eine andere Rolle zu schlüpfen. Einmal ein Held oder die schönste Prinzessin zu sein. In Kindergarten und Schule wird schön geschmückt und gefeiert, was eine schöne Abwechslung zum Alltag ist.
Und ja, ich freue mich da auch ganz ehrlich mit den Kindern. Manchmal bin ich erstaunt, als was die Kinder sich gerne verkleiden möchten, und wie unterschiedlich sie da in ihrer Persönlichkeit sind. Während für das große Kind das Schminken definitiv das Highlight überhaupt ist, lehnt das kleine zB sogar die gemalten Sommersprossen zum Pipi Langstrumpfkostüm ab.
Auch ich bin morgens furchtbar aufgeregt, wenn ich die Kinder schön verkleidet auf ihre Partys schicke.
Leider ist es mit der Faschingsparty in Kindergarten und Schule nicht getan. Da soll man doch bitte noch zum Faschingsumzug und zum Kinderfasching gehen.
Und genau hier beginnt das Grauen.

Faschingsumzüge.
Ich verkleide mich nicht gern. Ich kann das aber für meine Kinder tun, schließlich falle ich unter all den anderen Kostümierten nicht weiter auf.
Aber es ist kalt. 3 bis 4 Stunden in der Kälte stehen- da hab ich schon keine Lust drauf. Aber auch das kann ich ertragen. Als Mutter ist man ja leidensfähig. Große Begeisterung lösen bei mir die Kostüme der Teilnehmer allerdings nicht aus. Aber es geht ja auch um die “Kamelle”. Bonbons schmeißen, fangen, Tüten voll Süßigkeiten nach Hause tragen.
Furchtbar.
Was wir da schon alles mit nach Hause geschleppt haben! Ganz selten waren da einigermaßen sinnvolle oder richtig leckere Dinge dabei. Es kam schon mal vor, dass ich dachte “Oh cool, das ist ja wirklich toll”, aber 90% der geworfenen Sachen sind billigste Bonbons, Plombenzieher, Werbung oder Plastikmüll. Und Kuscheltiere. Mein Hassthema Nummer 1. Davon brauchen wir nicht noch mehr.
Und zuhause versuche ich möglichst unauffällig den ganzen Blödsinn wieder heimlich verschwinden zu lassen. Das muss ja schleichend passieren, aber 26 Popcorntütchen- die werden einfach nicht gegessen. Nicht, dass meine Kinder es nicht dürften. Sie tun es einfach nicht- aber oh Drama, wenn ich sie wegwerfe!
Dieses Jahr haben wir einen Tag vorher Geburtstag gefeiert und ich 2 Tage hektisch in der Küche verbracht- deswegen waren wir dieses Jahr nicht da. Wir haben ihn entspannt im Fernsehen geschaut, die Kinder haben sich verkleidet und wir Eltern haben immer mal wieder von hinten Süßigkeiten geschmissen.
Alle glücklich. Und warm wars auch.

Flamencotänzerin

Und heute: Faschingsdienstag.
Faschingsdienstag ist immer Kinderfasching bei uns im Stadtteil.
Was hab ich das als Kind geliebt!
Doch heute, als Mutter, ist es kaum zu ertragen.
Doch warum ist das so? Ich habe heute nochmal ganz besonders darauf geachtet, was mich daran eigentlich wirklich so stört.
Den Kleinsten haben Oma und Opa übernommen, wofür ich unendlich dankbar bin- denn sich mit einem Baby in die Kinderfaschingshölle zu begeben ist kein Spaß. Vor allem, wenn man ohne Unterstützung unterwegs ist. So wie ich. Jedes Jahr.
Hoch motiviert und mit der Absicht, ein wenig Spaß zu haben, habe ich mich sogar in mein Indianerinnenkostüm geworfen, was an sich schon ein großer Liebesbeweis für meine Kinder ist.
Aber auch dieses Jahr fand ich es ganz fürchterlich. Kinderfasching scheint nur noch aus Spielen, Spielen und nochmal Spielen zu bestehen. Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen, die wievielte Reise nach Jerusalem  gerade stattfand. Danach Eierlauf, Ringwerfen, nochmal nach Jerusalem reisen. Dann bitte schnell runter von der Bühne, platz für die Garde machen. Danach wurde noch mal verreist.
Die Kleinen hatten Mühe auf die Bühne zu kommen, weil die Treppe immer überlaufen war. Viele waren zu klein, um überhaupt mitspielen zu können. Oder um sich gegen die Großen zu behaupten, die sich in der Schlange stets frech vordrängeln. Also mussten die Kleinen zuschauen. Nur war die Bühne so hoch. Ein Stück zurück gehen, um besser sehen zu können, nicht möglich. Da standen bereits die ersten Tische.
Generell kein Platz nirgendwo.
Ich glaube, es wurde nicht ein einziges mal getanzt. Und wenn, dann nur so kurz, dass ich es gerade nicht mitbekommen habe. Ständig musste ein Gewinner eines Spiels ermittelt werden, auch wenn es offiziell natürlich nur Gewinner gab.

Ich finde das furchtbar.
Spiele sind schön, und das ein oder andere sollte auf einer Kinderfaschingsfeier nicht fehlen. Aber warum macht man nicht einfach auch mal Musik an und lässt die Kinder einfach…..tanzen?
Hier ist das wie beim Kindergeburtstag. Zu viel Moderation ist tödlich. Kinder können sich durchaus auch ohne Anleitung beschäftigen und Spaß haben.
Da haben sie sich alle so schön als Schneewittchen, Harry Potter und Cowboy verkleidet und haben keinerlei Gelegenheit, auch mal ihre Rolle zu spielen.
Unsere dreijährige war heute so überfordert, dass sie es irgendwann aufgegeben hat, irgendwo mitspielen zu können oder auch nur zu beobachten, was da oben auf der Bühne passiert. Sie hat letztendlich ihren Spaß gefunden, indem sie einfach 2 Stunden lang von ein paar Stufen gesprungen ist.

Und deswegen hasse ich Fasching. Weil ich permanent denken muss: “Wie furchtbar!”
Ich habe heute beide Kinder gefragt, ob sie Spaß hatten, und beide bejahten dies.
Ich weiß, dass Kinder das anders empfinden als Erwachsene und auch viel anspruchsloser an solche Dinge herangehen.
Aber ich denke, die armen Kinder kennen es ja auch gar nicht anders.

Zum Glück haben wir woanders schon schönere Feiern erlebt und ich denke, für nächstes Jahr werden wir uns eine andere Veranstaltung suchen, die etwas kindgerechter ist. Mit Zeit zum freien Spiel und weniger Hektik. Es wird sich im Raum Frankfurt sicher irgendetwas finden, und dann gebe ich dem Ganzen auch nächstes Jahr wieder eine Chance.
Helau!

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