Flittern in Finnland

Vor drei Wochen haben mein Mann und ich uns einen großen Herzenswunsch erfüllt: wir sind für ein paar Tage nach Finnland geflogen.

Ohne unsere Kinder.

Wir haben nach fast zwei Jahren endlich unsere Flitterwochen nachgeholt.
Seit Jahren träumen wir von Finnland, auch weil wir so eine besondere Hochzeit hatten (lies hier) brannten wir auf einen Gegenbesuch in Helsinki.
Mein Mann und ich haben uns kennen gelernt, als ich allein erziehende Mutter einer Vierjährigen war. Zeit zu zweit, ohne Kinder- das haben wir so gut wie nie gehabt. Wir konnten noch nie gemeinsam ausschlafen, gemeinsam frühstücken, überlegen, wie wir den Tag verbringen wollen. Einfach drauf losschlendern, in ein Restaurant gehen, spontan sein. Dinge, die ein Paar eben so macht, wenn es sich gerade erst kennen lernt.
Von Anfang an gab es da einen kleinen Menschen, der immer dabei war. Und nach einem Jahr waren da schon zwei.
Jetzt sind es drei!
Mit drei Kindern, da hast Du keine Zeit mehr für Dich. Gemeinsam ausgegangen sind wir eigentlich so gut wie nie, jedenfalls nicht im klassischen Stil.
Wir nehmen unsere Kinder überall hin mit- oder treffen Freunde abends bei uns zuhause.
Was wir uns gelegentlich gönnen, sind gemeinsame Konzertbesuche. Da passen dann die Großeltern auf, oder auch mal der Onkel. Auch gute Freunde sind schon mal eingesprungen. (Danke, danke, danke!)
Allerdings kann man solche Abende im Jahr meist an einer Hand abzählen.
Länger als eine Nacht waren wir noch nie von Zuhause weg. Aber welche Eltern sind das schon?
Schließlich halten wir uns alle keine Hamster, denen man nur die Futterschüssel gut füllen muss.

Ich schweife ab…
Jedenfalls hatten wir bisher keine Gelegenheit, Flitterwochen zu machen.
Dieses Jahr sollte sich das nun endlich ändern, die Großeltern erklärten sich bereit, für ein paar Tage bei uns einzuziehen und auf die Kinder aufzupassen.
Die Freude darüber war grenzenlos!

Ich fing schon Wochen vorher an zu planen. Was muss man gesehen haben, wo gewesen sein? Lohnt sich die Helsinki Card (in unserem Fall nein), wie kommen wir nach Mitternacht bloß vom Flughafen in die Stadt.
Schnell wurde mir klar, dass es mir nicht reicht, nur Helsinki zu sehen. Ich habe von Finnland geträumt. Helsinki ist eine Großstadt, so wie ich in einer lebe. Natürlich ganz anders und vor allem am Meer, aber ich wollte auch Natur sehen. Kiefernwälder. Seen. Nichts hören. Einmal in Finnland Zug fahren. Etwas typisches essen. Ich wollte Finnland erleben und nicht nur besichtigen- und zwar so viel wie ging in der kurzen Zeit. Denn eins war klar- im Vergleich zu einem zweiwöchigen Pauschalurlaub wird unser Kurztrip nach Finnland sehr teuer und dies wird doch sehr wahrscheinlich eine einmalige Sache bleiben.

Vom Flughafen Helsinki Vantaa (ca 30km ausßerhalb) kommt man übrigens auch nach Mitternacht noch problemlos nach Helsinki. Bis 01.20 Uhr fährt der Finnair City Bus im 20 Minuten Takt bis zum Hauptbahnhof nach Helsinki. Für 6,30€, inklusive Free Wifi (Yay!)

Gewohnt haben wir im Solos Soko Hotel Torni– nur 5 Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt und somit ganz zentral.
Tolles Hotel-die Bar oben im Turm steht sogar im Reiseführer (wussten wir vorher nicht) und bietet eine hervorragende Aussicht über Helsinki.
Bis wir eingecheckt und das nötigste ausgepackt hatten, war es nach 2 Uhr nachts bis wir im Bett lagen.

Um 6:30 Uhr klingelte trotzdem der Wecker- schließlich wollten wir Finnland erleben und nicht verschlafen. Für den ersten Tag war eine Wanderung durch den Nuuksio Nationalpark geplant. Dieser ist etwa 30 km vom Helsinki entfernt und recht gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

Im Sommer gibt es eine Direktverbindung von Helsinki, aber die Saison ist bereits vorbei und die Buslinie eingestellt. Also haben wir den Zug nach Espoo genommen und sind von dort noch ein paar Stationen mit dem Bus bis Kattila gefahren. Preislich waren wir überrascht- eine Fahrt hat 5€ gekostet und ist somit günstiger gewesen, als wenn wir zuhause mit der Straßenbahn über die Stadtgrenze hinaus fahren. Von Helsinki Hauptbahnhof bis zum Nationalpark waren wir etwa 45 Minuten unterwegs. Ich war bereits  im Bus schon total aus dem Häusschen- diese langen Landstraßen mitten durch den Wald, wo vereinzelt immer wieder Bushaltestellen waren. Winzig klein, nur durch ein kleines Schild erkennbar, ohne Hütte oder Sitzbank. Und links und rechts kein einziges Haus zu sehen.
Von unserer Bushaltestelle war es dann eine etwa 2km lange Wanderung bis Haukkalampi. Von dort gehen farblich unterschiedlich markierte Wanderwege ab und dort gibt es auch eine kleine Info-Hütte, wo freundliche Mitarbeiter gerne bei der Planung einer Wanderung behilflich sind. Leider hatte sie zu, es war Freitag und ab Mitte September ist sie nur noch am Wochenende geöffnet.
Ich hatte zum Glück bereits unsere Wanderroute geplant und sämtliche Karten und Zeitfahrpläne ausgedruckt im Rucksack.

Nuuksionationalpark         Wegweiser

Ich hatte den Rundwanderweg Korpinkierros für uns herausgesucht, mit einer Länge von 7,8km. Dieser Wanderweg war recht anspruchsvoll, ging oft steil hinauf und hinab, war sehr steinig und voller Wurzeln, so dass man wirklich aufpassen musste, wohin man tritt. Mit unseren Kindern wäre das nicht möglich gewesen, weder mit Kinderwagen noch zu Fuß. Selbst wir sind mehrfach gestolpert, obwohl wir sehr aufmerksam waren.
Es gibt im Park aber auch Wanderwege, die für Rollstuhlfahrer geeignet und somit für Familien mit kleinen Kindern gut schaffbar sind.

Steinig         Holzweg

Herbst         Korvapuusti

Die Wege sind größtenteils gut markiert, unserer durch gelbe Vierecke, die immer wieder links und rechts an die Bäume angebracht sind. Oft geht man richtige Wege, wo es zu matschig oder sumpfig sind, sind Holzbretter ausgelegt. Doch wir kamen mehrmals auch an Stellen, wo kein richtiger Weg mehr erkennbar war und es mehrere Möglichkeiten gab, weiterzugehen. Da muss man dann die Augen offen halten, ob überhaupt noch gelbe Markierungen angebracht sind- oder man lieber wieder umkehren sollte, um sich nicht furchtbar zu verlaufen.
Der ausgewählte Weg war wunderschön- mitten durch den Nadelwald wie im Märchen, dann steile Wege hinauf, um oben mit einer Felsenlandschaft und absolut großartiger Aussicht auf umliegende Seen belohnt zu werden. Über Bretterwege durch den Sumpf und auch über Wasser. Vereinzelt findet man Grillplätze, die allesamt absolut sauber sind. Müll schmeißt scheinbar keiner einfach unbedacht in die Natur.

Fliegenpilz         See

Wir         10654926_772785849447865_720084019_n

Mit dem Wetter hatten wir wirklich Glück. Der September ist in Finnland schon recht frisch- aber es war ein wunderschön sonniger Tag.
Geradezu perfekt, um sich einen weiteren großen Traum zu erfüllen: einmal in einem finnischen See baden!
Das Wasser war eisig kalt- hatte aber den Vorteil, dass man hinterher nicht wie üblich fror, sondern einem herrlich warm war. Als ob es plötzlich 30 Grad warm wäre.

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Ich stand mehrmals an diesem Tag fassungslos im Wald, hörte mich um und hörte: nichts. Kein Flugzeug, keine Menschen, keine Autos. Absolute Stille, bis auf ein paar Tiere. Und dachte “Wahnsinn, gestern um die Zeit saß ich zuhause auf dem Sofa, heute stehe ich 1500km weit entfernt in Finnland, mitten im Wald. Ich bin wirklich hier.”

Am liebsten wäre ich auch geblieben, aber nachmittags mussten wir wieder Richtung Helsinki aufbrechen, denn unsere Abende in Helsinki waren ebenfalls im Vorfeld schon verplant. Jeden Abend Konzerte, wir haben insgesamt 5 unserer Lieblingsbands live spielen sehen und auch persönlich getroffen, sind im Taxi mit in die coolste Metalbar mitgenommen worden und haben in Helsinki letztendlich noch weniger geschlafen als in den kürzesten Nächten mit unserem Baby.

Helsinki

Helsinki fand ich wunderschön. Leider haben wir von den Orten, die mich interessiert haben, nicht einmal die Hälfte gesehen. So eine große Stadt in so kurzer Zeit zu erkunden ist quasi unmöglich.
Wir haben uns ein paar schöne Ecken ausgesucht und tatsächlich auch die Zeit gefunden, mal richtig Essen zu gehen.
Es war wunderschön! Eine ganze Mahlzeit- warm genießen! Ohne links und rechts Soße von kleinen Kinderbäckchen zu wischen oder das Essen stehen zu lassen wegen “Oh, ich muss Pipiii”, um dann ewig hungrig neben einem Klo zu stehen und dann “Hmm, geht doch nicht” zu hören.
Wir haben es genossen!
Aber- sie haben uns gefehlt. Sehr. Gerade die Trennung von unserem ganz Kleinen fiel uns sehr schwer- von den Größeren wussten wir ja, wie sehr sie sich auf Oma und Opa freuen.
Unsere Tage in Finnland waren also durchaus begleitet von Sehnsucht und auch Schuldgefühlen und ich kam mir öfter mal so vor, als würde ich am Rücken einen Rabenmutter-Aufkleber kleben haben.
Ohne die Kinder zu verreisen ist irgendwie etwas, das man nicht macht. Aber gleichzeitig haben wir es nach viereinhalb Jahren Trubel einfach nötig gehabt, mal Zeit zu zweit zu verbringen. Für uns als Paar hat das ganz viel bedeutet.

welcometosuomi        Centralstation

wohnenammeer        saunaammeer

peeingman        Badbadboy

Dom

Suomenlinna

An unserem letzten Tag ging es mit dem Wasserbus auf die Seefestung Suomenlinna. Die Fahrt dauert ca. 20 Minuten.
Auch hier gilt Ende September schon der “Winterfahrplan”, anstatt alle 20 Minuten fährt der Wasserbus nur noch alle Stunde. Da wir bereits am Nachmittag zum Flughafen mussten, ging uns leider sehr viel Zeit durch Warten verloren.
Für Suomenlinna kann man durchaus einen ganzen Tag einplanen, die Insel ist recht groß, mit vielen kleinen Cafes und Museen.
Wir hatten nur 2 Stunden Zeit und sind regelrecht über die Insel gehetzt, um möglichst viele Ecken zu sehen. Aber man kann auch nicht in Helsinki gewesen sein, ohne Suomenlinna gesehen zu haben.

Bootsfahrt         Boote

Grashütten         Gelbeholzhütten

Cafe         10691666_960824310599203_1698779027_n

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Mauer         Felsen

 

helsinkireifen         Boot

Unser kleiner Kurzurlaub war wunderwunderschön und wir sind unendlich dankbar, dass uns das ermöglicht wurde.
Ich kann Helsinki jedem empfehlen, der mal etwas anderes als Strandurlaub machen möchte. Wobei man das durchaus kombinieren kann, denn wenn es dort tatsächlich Sommer und richtig warm ist- hat Helsinki natürlich auch einen Strand.

Näkemiin, Helsinki! Wir kommen sicher wieder!
Dann mit mehr Zeit im Gepäck und unseren Kindern an der Hand!

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One Response to Flittern in Finnland

  1. Melanie says:

    Habe Eure ja Bilder ja immer schon auf FB bewundert und jetzt den Bericht dazu zu lesen, ist noch viel schöner. Danke, dass Du uns quasi so auf Eure Hochzeitsreise mitgenommen hast..

    Skandinavien ist auch einer meiner größten Träume (in meinem Fall Schwedens Norden) – ich kann also gut nachvollziehen, was Dich so fasziniert.

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