Pyjama Party

Pyjamaparty
Kindergeburtstag. Wie wunderschön!

Oder?

Wir gingen am Wochenende nun schon in die 9. Runde- und diesmal hat sich das Tochterkind eine Pyjama Party gewünscht.
Bitte. Gerne.
Da ich kein Fan von vorgedruckten Einladungen bin, habe ich eine Nachtschicht eingelegt und bin selbst kreativ geworden.  Karten mit kleinen fröhlichen Mädchen in ihren Betten, passend zum Motto.
10387955_640690816021261_1412946940_nSoll ich erwähnen, dass Karten nicht mal bei den Eltern angekommen sind, weil sie direkt nach Übergabe verloren wurden und Eltern zwei Stunden vor dem Fest anriefen, wann die Kinder denn kommen sollen und was sie brauchen?
Ja, ich habe mir wirklich gerne die Mühe gemacht, schöne Karten mit allen Infos zu basteln. Vorgedruckte Einladungskarten finde ich ja nicht schön.
Nun ja.

Ich habe mir viele Gedanken gemacht, was neunjährige Mädchen begeistern könnte und was auch gut zu einer Pyjama Party passt.
Wir hatten also einen ganz guten Plan für den Tag.

Wir hatten Kindersekt, verschiedene Säfte, Eistee und Wasser.
Gastkind: “Äh, habt ihr etwa keine Cola? Nicht mal Kinderbier? Äh naja, das ist ja doof!”
Ich denke: Schaaaatz, haben wir noch richtiges Bier, hier möchte glaube ich jemand um 18 Uhr schlafen….

10432034_239262062935012_2052722945_nEgal, mit Nörglerkindern kann ich umgehen.
Erstmal allseits große Entzückung, als man den schön vorbereiteten Küchentisch mit Schüsseln, Handtüchern und einer riesigen Auswahl an Nagellack, Glitzersteinchen und Maniküresets entdeckt.

Als erstes darf sich jede in einer Schüssel eine Gesichtsmaske selbst anrühren. Ein bisschen Quark, pürierte Gurke, ein wenig Gurkensaft und Honig kommt hinein.
Macht allen Spaß und riecht lecker.

Ich denke: Hmm, keine Lust, gleich die komplette Küche zu putzen- besser ich trage den Kindern die Maske auf.
Die Kinder denken: Coooool, wie im echten Beautysalon!

Während die Maske einwirkt, starten wir mit einer Maniküre.
Ich habe ein tolles Öl-Handpeeling gekauft, mit etwas Salz versetzt rubbelt es sanft tote Hautschüppchen ab und das Öl macht die Hände wunderschön weich. Der leichte Mangogeruch verzaubert alle.
Finden alle toll. Bis auf mein Kind: “Ihhh, das ist so eklig, ich mag keinen Ölfilm auf der Haut, ich wasch das mit Seife wieder ab!”

Für jedes Kind gibt es ein Maniküreset, dass sie auch mit nach Hause nehmen dürfen. Nägel feilen müssen sie nicht, scheinbar ist meine Tochter nicht die einzige, die mit großer Leidenschaft Nägel kaut.
Glätten, polieren und zum Glänzen bringen geht aber.
Danach muss erst mal die Gesichtsmaske ab.
“Schnappt Euch mal Eure Handtücher, im Bad liegen schon Waschlappen bereit, wir waschen jetzt die Masken ab!”
Da hat ein Gastkind schon die Maske ins frische Handtuch geschmiert.
“Oopsie!”

Als nächstes werden sämtliche Lacke begutachtet. Eins der Kinder kriegt Panik, dass es nicht genug Klebesteinchen abbekommen könnte.
Dabei bemerkt es nicht, dass auf dem Tisch so viele Klebesteinchen liegen, dass allen noch ein zweites Paar Hände und Füße wachsen könnten, ohne dass die Steinchen auch nur Ansatzweise aufgebraucht werden könnten.
Die Kinder haben die Wahl: Nägel selbst lackieren (Ich denke: sieht dann halt scheiße aus) oder sich wie im Beautysalon bedienen lassen und hinterher ordentliche, schöne Nägel haben.
Mein Kind will kein Lackmassacker und lässt mich machen. Alle anderen entscheiden Cracklinglacksich, die linke Hand selbst zu lackieren und die rechte mir zu überlassen.
Ich bin entspannt- schließlich habe ich eine abwaschbare Tischdecke und einen Nagellackentfernerstift gekauft, um kleine Makel auszubessern. Geht auch für größere Katastrophen.
Schließlich haben alle Kinder schöne bunte Nägel, die dann noch mit einem Cracking Lack überstrichen werden. Die Farbe reißt nach einigen Sekunden auf und macht ein tolles Muster.
Alle Kinder total glücklich.
“Cooool, ich war noch nie auf einer Übernachtsungsparty! Meine Haut ist so weeeeeich!
Wir sind alle so wunderwunderschöööön!”

 

Die Mädels kleben sich noch Kiloweise Steinchen auf die Nägel, die trotz Überlack nach 30 Minuten alle abfallen.
Tut ihrer Schönheit aber nichts ab. Der Laune auch nicht.

Während die Mädels sich im Spiegel betrachten und im Kinderzimmer über Jungs plaudern, werden auf dem Balkon Hamburger gebraten.
Finden alle super.

Abends dürfen die Mädels sich einen Film ansehen, dafür räumen wir extra das Wohnzimmer und verbringen den Abend in der Küche.
Aber erst einmal umziehen.
Das Gastkind, das vorher aus Versehen die Gesichtsmaske ins Handtuch geschmiert hat, hat dabei leider “Ooopsie!” das zweite Handtuch aus Versehen ins Klo geschmissen.
Ich atme einmal tief durch- und lass sie es selbst wieder aus dem Klo fischen.

Mit Knabberzeug, Decken und Kindersekt machen sie es sich dann auf unserer Couch gemütlich und haben sich für Scooby Doo als Film entschieden.
Ein kurzer Hinweis, bitte nicht auf der Couch zu trinken und nicht mit den Füßen gegen den Couchtisch zu treten, damit kein Glas umfällt, dann bin auch ich in der Küche verschwunden.
Für 5 Minuten- dann sauge ich mit Küchenrolle roten Kindersekt aus unserem neuen Teppich.
Ich nehme alle Gläser mit in die Küche, wer Durst hat muss nun hier trinken.
Weitere 5 Minuten später eile ich erneut mit Küchenrolle ins Wohnzimmer- eins der Kinder hat Nasenbluten.
“Ich brauch kein Tuch, das geht schon.”
Tropf, tropf…
Ich drücke ihr trotzdem eins in die Hand, das nach 2 Minuten komplett rot gefärbt ist. Ich will es gegen ein frisches austauschen. “Nein, brauch ich nicht, hat aufgehört.”
Tropf, tropf…
Ich drücke dem Kind ein neues Tuch in die Hand. So geht das eine Stunde. Das Kind wird immer patziger, weil es kein Tuch will und ich werd langsam sauer, weil wir ziemlich lange sparen mussten, um uns diese Couch zu kaufen und ich nicht einsehe, dass sie nun von einem fremden Kind vollgeblutet wird.
Nach anderthalb Stunden ist der Spuk endlich vorbei und die Mädels dackeln fröhlich ins Bad um sich die Zähne zu putzen und es sich anschließend im großen Bett gemütlich zu machen.

Mein Mann und ich klatschen uns quasi schon ab- da kommt ein Gastkind wieder raus, weil es nur mit Licht schlafen könne.
Also ein schönes Nachtlicht suchen. Wir haben ein tolles, welches verschiedene Motive an die Decke projektieren kann, von recht dunklen bis ziemlich hellen Bildern.
Gastkind: “Orr nee, da ist ja eine Mehrfachsteckdose im Zimmer! Die sind sooo gefährlich– das will ich nicht! Die könnte anfangen zu brennen!”
Wir stöpseln sie aus, und das Nachtlich direkt in die Steckdose der Wand.
Wir setzen uns wieder, der Abend ist fast geschafft.
“Ich kann nicht schlafen, ich will das große Licht anmachen!”
Die anderen folgen. “Bei Licht können wir aber nicht schlafen!”
“Ich hab aber Angst. Gibt es hier Spinnen? Ich mag keine Spinnen. Ich kann nur bei Licht schlafen!”

GurkenmaskeGroßes Drama. Es stellt sich heraus, das Kind schläft generell nur mit Licht, auch zuhause.
Es wäre nett gewesen, wenn die Mutter des Kindes das im Vorfeld erwähnt hätte. Schade, dass man das nicht für nötig hielt.
Hätte man das eigene Nachtlicht mitgegeben, hätte das Kind eventuell nicht nachts um halb Zwölf wieder nach Hause gemusst.

Nun endlich aufatmen- fröhliches Flüstern aus dem Kinderzimmer. Mädchen, die sich noch irgendwelche Heimlichkeiten erzählen, bis ihnen irgendwann weit nach Mitternacht einfach die Augen zufallen.

So habe ich mir das vorgestellt!
Das Kind findet, das war die coolste Geburtstagsfeier ihres Lebens.
Ich finde, jetzt brauch ich erst mal eine entspannende Gurkenmaske!

 

 

 

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